Im ersten Teil dieser Serie haben wir geklärt, warum eine professionelle Online-Präsenz für Kleinunternehmer heute unverzichtbar ist. Im zweiten Teil sind wir auf die Kosten eingegangen. Jetzt kommt die Entscheidung, die die meisten bereits getroffen haben, bevor sie überhaupt mit einem Entwickler sprechen: Baukasten oder Profi? Und meistens fällt diese Entscheidung still und leise, irgendwo zwischen einer Google-Suche nach „Homepage erstellen“ und der ersten Wix-Werbeanzeige, die auftaucht. Günstig klingt gut. Einfach klingt gut. Also: Baukasten.
Ob das in jedem Fall die richtige Wahl ist, schauen wir uns hier genauer an.
Was ein Baukasten kann – und was nicht
Baukastensysteme wie Wix, Jimdo oder der IONOS Website-Builder sind für einen bestimmten Anwendungsfall gemacht: schnell, ohne technisches Vorwissen eine vorzeigbare Website aufzubauen. Für eine einfache Visitenkarten-Seite mit Adresse, Öffnungszeiten, ein paar Fotos und einem Kontaktformular funktioniert das heute erstaunlich gut.
Was Baukastensysteme typischerweise nicht gut können: individuelle Funktionen, komplexere Strukturen, suchmaschinenoptimierte Inhalte in größerem Umfang und eine wirklich eigenständige optische Identität. Man baut immer innerhalb der Grenzen des jeweiligen Systems – und merkt das spätestens dann, wenn man etwas haben möchte, das das System nicht vorsieht.
Was kostet was – ein ehrlicher Vergleich
Hier kommen aktuelle Zahlen, damit Sie eine Grundlage haben:
Jimdo / Wix (Baukasten, selbst gemacht)
Jimdo kostet zwischen 11 und 45 € pro Monat, je nach Tarif. Bei Wix zahlt man ab rund 11 € monatlich im Zweijahresvertrag, realistisch für eine nutzbare Version eher 17–24 € monatlich. Dazu kommen Ihre eigene Zeit für Einrichtung, Pflege und Texterstellung – die sollten Sie nicht unterschätzen. Wer noch nie eine Website gebaut hat, investiert leicht 10 bis 20 Stunden allein für die Ersteinrichtung.
IONOS Website-Builder
IONOS lockt mit günstigen Einstiegspreisen – häufig ab 1 € für die ersten Monate – steigt danach aber auf 12 bis 30 € monatlich. Die Oberfläche ist einfacher gehalten als Wix, was für absolute Einsteiger ein Vorteil sein kann. Der Funktionsumfang ist entsprechend überschaubar.
Freelancer + professionelles Hosting (z. B. Hetzner Cloud)
Eine professionell entwickelte WordPress-Website bei einem erfahrenen Freelancer kostet je nach Umfang zwischen 1.500 und 5.000 €, einmalig. Dazu kommt das laufende Hosting: Ein kleiner Server bei Hetzner Cloud ist schon ab rund 4–6 € monatlich zu haben – deutlich günstiger als viele Baukasten-Tarife und dabei deutlich leistungsfähiger. Für die meisten kleinen Unternehmenswebseiten reicht das völlig aus.
Über drei Jahre gerechnet sieht die Kalkulation oft so aus: Ein Baukasten zu 20 € monatlich kostet 720 € – ohne Ihre eigene Zeit. Eine einmalig bezahlte Freelancer-Lösung mit 5 € Hosting monatlich kommt auf 180 € für den gleichen Zeitraum plus die Entwicklungskosten. Ab einem bestimmten Investitionsniveau ist die professionelle Lösung langfristig günstiger.
Zum Einordnen: Was professionelle Webprojekte wirklich kosten können
Wer denkt, ein paar Tausend Euro für eine Website sei viel, dem sei ein kurzer Blick in eine andere Liga erlaubt – nicht um zu erschrecken, sondern um einzuordnen.
Mittlere bis große Unternehmen mit eigenem Onlineshop oder komplexerer Webpräsenz beschäftigen häufig mindestens zwei festangestellte Entwickler oder Digitalspezialisten, dazu kommen externe Freelancer für Design, SEO, Kampagnen oder Spezialentwicklung. Das Gesamtbudget für Web und Digital liegt in solchen Setups schnell bei 250.000 € und mehr – pro Jahr. Hinzu kommen Lizenzkosten für Shopsysteme, Hosting-Infrastruktur, Marketing-Tools und laufende Wartung.
Das ist keine Ausnahme, das ist gelebter Alltag in mittelständischen E-Commerce-Unternehmen.
Was bedeutet das für den Friseur, die Fußpflegepraxis oder den Handwerksbetrieb? Vor allem eines: Die eigene Website – ob Baukasten oder Freelancer – ist im Vergleich dazu ein überschaubarer Posten. Wer 2.000 bis 3.000 € in eine ordentlich gemachte Website investiert und dafür über Jahre eine zuverlässige, professionelle Online-Präsenz hat, liegt damit auf einem Niveau, das für die eigene Zielgruppe absolut ausreichend ist. Mehr braucht es in den allermeisten Fällen nicht.
Wann der Baukasten die richtige Wahl ist
Ich rate ehrlich zum Baukasten, wenn:
- Sie ein sehr begrenztes Budget haben und zunächst überhaupt eine Präsenz brauchen
- Ihre Website wirklich einfach bleibt: ein paar Seiten, Kontakt, fertig
- Sie Freude daran haben, selbst zu gestalten, und Zeit dafür mitbringen
- Die Website kein zentrales Vertriebsinstrument ist, sondern nur der Vollständigkeit halber existiert
Wann Sie einen Profi beauftragen sollten
Ein professioneller Entwickler lohnt sich, wenn:
- Ihre Website Kunden aktiv gewinnen soll – also mehr als eine digitale Visitenkarte ist
- Sie individuelle Funktionen brauchen (Buchungssysteme, Shops, Mitgliederbereiche)
- Ihnen Suchmaschinenoptimierung wichtig ist
- Sie keine Zeit haben, sich selbst darum zu kümmern
- Sie nicht möchten, dass die Website in drei Jahren wieder neu gemacht werden muss, weil der Baukasten die Marke nicht mehr trägt
Es gibt keine universell richtige Antwort. Aber es gibt eine Frage, die hilft: Wie wichtig ist meine Website für mein Geschäft? Wer darauf mit „sehr wichtig“ antwortet, sollte nicht am falschen Ende sparen.
Was ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe: Viele Kunden kommen nach ein oder zwei Jahren mit ihrem Baukasten zu mir – weil sie an Grenzen gestoßen sind, die sie vorher nicht gesehen haben. Das bedeutet dann doppelte Arbeit und doppelte Kosten. Wer von Anfang an weiß, wo er hinwill, trifft die bessere Entscheidung.

